Samstag, 23. Juli 2011

Sonntag: Kundgebung in Haltern.

In Haltern am See hält am Sonntag die "Landsmannschaft der Oberschlesier" (Teil des "Bund der Vertriebenen") ihr geschichtsrevisionistisches "Schlesiertreffen" ab. Ein Bündnis aus regionalen Antifaschist_innen ruft zu einer Kundgebung am Halterner Bahnhof auf. Diese ist für 11:00h angemeldet. Weiter unten gibt´s den Aufruf.

http://opfermythenangreifen.blogsport.de/


Aufruf zur Kundgebung gegen das Schlesiertreffen in Haltern am See
Am 24.07. will die Landsmannschaft der Oberschlesier wie jedes Jahr ihr großes Treffen auf dem Annaberg in Haltern am See abhalten. Die zum sogenannten „Bund der Vertriebenen“ zählende Vereinigung richtet neben dem seit den Anfängen der Bundesrepublik Deutschland stattfindenden Treffen auch weitere Versammlungen aus und beteiligt sich insbesondere an der Geschichtsumdeutung der Zeit des Nationalsozialisus. In den Landsmannschaften der ehemaligen Ostgebiete, inklusive der angeeigneten, sammelten sich nach 1945 insbesondere Politiker der nationalsozialistischen Gauverwaltungen, die an Krieg und Holocaust beteiligte NS-Elite, um nationalsozialistische Gedanken nach der Zerschlagung des Deutschen Reiches in die neu entstehende Bundesrepublik einzugliedern. Dabei konnten die Landsmannschaften auf weiten Einfluss auf die nach Kriegsende neu entstehenden konservativen und nationalliberalen Spektren zählen. Später und bis heute ist der „Bund der Vertriebenen“ stark in den rechten Rand der CDU eingegliedert und bildet ein mitgliederstarkes Rückgrat, auf die die Politik der Bundesregierung durchaus Rücksicht nehmen muss.

Einfluss auf die große Politik

Die Vorsitzende des „Bundes der Vertriebenen“, Erika Steinbach (CDU), provoziert regelmäßig mit geschichtsverdrehenden Äußerungen, etwa zum östlichen Grenzverlauf oder mit Vergleichen zwischen dem Holocaust und den Zwangsaussiedlungen der Deutschen aus den Gebieten des sich neu gründenden Staates Polen. Obwohl ihre Äußerungen regelmäßig die Empörung polnischer Politiker hervorrufen, bewilligte die Bundesregierung die Einrichtung eines „Zentrum gegen Vertreibungen“ in der Nähe des Berliner Holocaustdenkmals. Obwohl deutsche Spitzenpolitiker der CDU nicht gerne über ihre Ansichten zur deutschen Geschichte und den Zwangsaussiedlungen reden, weil das im Ausland zurecht regelmäßig Empörung provoziert, suchen sie auf größeren Versammlungen der „Vertriebenen“ immer wieder die Nähe zu ihrem völkischen Flügel. Während der niedersächsische Ministerpräsident auf dem „Deutschlandtreffen der Schlesier“ im Juni dieses Jahres den Versammelten zurief, die „Vertreibung der Deutschen aus dem Osten war Unrecht“, forderte der Vorsitzende der schlesischen „Vertriebenenorganisationen“ eine Entschuldigung Polens und Tschechiens für die „Vertreibung“. Danach suchte er, die deutsche Schuld am Holocaust zu relativieren, indem er über eine polnische Mittäterschaft herumspekulierte und forderte, Verantwortliche von im Zuge der Aussiedlung begangenem Unrecht wie Naziverbrecher noch heute vor Gericht zu stellen.

Schlesische Jugend

Ebenfalls Aufmerksamkeit provozierten die „Heimatvertriebenen“ jüngst durch die neonazistischen Umtriebe ihres Jugendverbandes, der auch Mitglieder für den Vorstand der Vereinigung stellte. In der „Schlesischen Jugend“ hatten sich Neonazis organisiert und gemeinsam mit anderen offenen Neonazigruppen von Steuergeldern finanzierte Fahrten in die ehemaligen Ostgebiete des Deutschen Reiches durchgeführt. Die Schlesische Jugend arbeitete auch offen mit der ebenfalls früher im „Bund der Vertriebenen“ organisierten Landsmannschaft Ostdeutschland zusammen, die jährlich den europaweit größten Neonaziaufmarsch in Dresden organisiert. Eine ausführlichere Übersicht über die Schlesische Jugend findet sich bei der antifa.haltern.

Charta der Revanchisten

„Wir Heimatvertriebenen verzichten auf Rache und Vergeltung“ heißt es in der „Charta der Vertriebenen“ von 1950, mit dem der Bund der Vertriebenen heute noch winkt, wenn es darum geht, jeglichen Verdacht auf Rechtsextremismus und Revanchismus zu unterbinden. In ihr verzichten Deutsche wie Hans Krüger, der erste Präsident des BdV und Nazi der ersten Stunde, der bereits 1923 bei Hitlers „Marsch auf die Feldherrenhalle“ dabei war und später im Krieg Leiter eines „Sondergerichtes“ wurde, das innerhalb weniger Wochen an die 2000 Menschen umbringen ließ, auf „Rache“ und „Vergeltung“. „Ernst und heilig“ sei es den „Vertriebenen“, gerade im Angesicht des „besonderen Leides“, das das „letzte Jahrzehnt über die Menschheit gebracht hat“. Nicht der Angriffskrieg Nazideutschlands also war es, der Leid verursacht hat, sondern „das letzte Jahrzehnt“. Weiter heißt es im selben Text : „Wir haben dieses Schicksal erlitten und erlebt. Daher fühlen wir uns berufen zu verlangen, dass das Recht auf die Heimat als eines der von Gott geschenkten Grundrechte der Menschheit anerkannt und verwirklicht wird.“ Was soll das von „Gott geschenkte Grundrecht“ auf Heimat anderes sein als nationalsozialistische Blut- und Boden-Ideologie?
„Worauf die Vertriebenen in ihrer Charta großherzig verzichten, sind nun keineswegs Ostpreußen, Pommern oder Schlesien, sondern lediglich Racheaktionen an Polen, Russen und Tschechen.“ (Die Wochenzeitung Jungle World zum 50jährigen Jubiläum des BdV) Insofern ist es eine blanke Farce, wenn der BdV davon spricht, schon 1950 auf Revanchismus „verzichtet“ zu haben, während man die verlorenen Gebiete am liebsten noch heute „heim ins Reich“ holen würde.

Was tun?

Der Bund der Vertriebenen verbreitet seit Jahrzehnten Geschichtsrevisionismus und Revanchismus. Er hat sich erfolgreich in die postfaschistische Gesellschaft nach 1945 integriert und Teile seiner Ziele verwirklichen können. In Haltern am See sind die „Heimatvertriebenen“ immer gern gesehene Gäste und die Stadtoberen sehen keinen Grund, dem Treffen mit Distanz gegenüber zu stehen. Im Jahr 2007 störten Antifaschist_innen das völkische Treiben auf dem Halterner Annaberg. Im Jahr 2008 gab es eine antifaschistische Demonstration durch die Halterner Innenstadt, die thematisierte, was auf dem nicht weit entfernten Berg getrieben wird. In diesem Jahr wollen wir der Landsmannschaft der Oberschlesier erneut deutlich machen, was wir von ihrer Perspektive auf die deutsche Geschichte halten.
Kommt daher alle zur antifaschistischen Kundgebung!
Treffpunkt 24.07. 11:00 Haltern Bahnhof
danach gemeinsamer Weg zum Kundgebungsort

Gegen die Verdrehung der Geschichte, gegen deutsche Opfermythen!
Schlesien ist Scheiße! Nie wieder Deutschland!

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